Blu-ray-Kritik: Sui­ci­de Squad

Nach “Man of Steel” und “Bat­man v Super­man: Dawn of Jus­ti­ce” kam mit Sui­ci­de Squad die drit­te Comic­ver­fil­mung aus dem DC Exten­ded Uni­ver­se. Der Film ist auf DVD und Blu-Ray erhält­lich und auf Ama­zon Instant Video verfügbar.

Die Sui­ci­de Squad. © 2017 War­ner Bros. Ent.

Hand­lung:

Nach­dem Super­man nicht mehr zur Ver­fü­gung steht, um die Mensch­heit vor über­na­tür­li­chen Super­schur­ken zu schüt­zen, muss die US-Regierung zu einer ande­ren Stra­te­gie grei­fen. Das erle­digt Aman­da Wal­ler (Vio­la Davis “Fen­ces”): Sie stellt eine Taskfor­ce aus den übels­ten Ver­bre­chen mit spe­zi­el­len Fähig­kei­ten zusam­men, die in Zukunft hals­bre­che­ri­sche Mis­sio­nen, unter dem Kom­man­do von Rick Flag (Joel Kin­na­man “House of Cards”), aus­füh­ren sol­len. Um die Koope­ra­ti­on der Fies­lin­ge sicher­zu­stel­len, wur­de ihnen jeweils ein Mini-Implantat in den Hals inje­ziert, wel­ches per Knopf­druck, bei Zuwi­der­hand­lung, detoniert. 

Die Taskfor­ce besteht aus der psy­cho­ti­schen Har­ley Quinn (Mar­got Rob­bie “Legend of Tar­zan”), dem Auf­trags­kil­ler Dead­shot (Will Smith “Ver­bor­ge­ne Schön­heit”), dem Mensch-Reptil-Hybriden Kil­ler Croc (Ade­wa­le Akinnuoye-Agbaje “Trumbo”), dem pyro­ki­ne­ti­schen Dia­blo (Jay Hernán­dez “Bad Moms”) und dem Meis­ter­dieb Cap­tain Boo­me­rang (Jai Court­ney “Stirb lang­sam — Ein guter Tag zum Ster­ben”). Spä­ter wird die selbst­er­nann­te ‘Sui­ci­de Squad’ durch die schwert­schwin­gen­de Kata­na (Karen Fuku­ha­ra) erweitert.

Flags Freun­din, die Archäo­lo­gin June Moo­ne (Cara Dele­ving­ne “Mar­gos Spu­ren”), ist seit einer unglück­se­li­gen Expe­di­ti­on von der früh­zeit­li­chen Hexe Ench­an­tress beses­sen. Ench­an­tress gewinnt die Über­hand und erweckt den Geist ihres Bru­ders Incu­bus. Gemein­sam erschaf­fen sie ihre eige­ne Armee, mit dem Ziel die Men­scheit aus­zu­rot­ten. Das klingt nach einem Job für die ‘Sui­ci­de Squad’…

 

Das macht Sui­ci­de Squad gut

Jared Leto als Joker.
© 2017 War­ner Bros. Ent.

Zu Beginn des Films wer­den die Super­schur­ken ein­zeln vor­ge­stellt und dadurch kommt der Zuschau­er in den Genuss die Back­sto­ry der spä­te­ren Mit­glie­der des Selbst­mord­kom­man­dos zu erfah­ren — bevor sie alle im Gefäng­nis lan­de­ten. So erfährt das Publi­kum zum Bei­spiel, dass Har­ley einst Psych­ia­te­rin im Ark­ham Asyl­um war und den Ver­stand ver­lor als sie sich in ihren Pati­en­ten, den Joker (Jared Leto “Dal­las Buy­ers Club”), ver­lieb­te. Dead­shot wird zum einen als geni­al ziel­si­che­rer und geschäfts-gewandter Assas­si­ne und zum ande­ren als für­sorg­li­cher Vater gezeigt. Die­se Ein­bli­cke sind amü­sant dar­ge­stellt und wecken die Neu­gier­de des Zuschauers.

Der Joker ist nicht Teil des Teams, aber da er Har­leys Lebens­ge­fähr­te ist, taucht er ab und an auf — ob in Form von Rück­blen­den oder bei sei­nen Ver­su­chen sei­ne Gelieb­te aus den Diens­ten bei der Taskfor­ce zu befrei­en. Jeder Auf­tritt des Jokers ist ein High­light: Jared Leto über­zeugt mit sei­ner Inter­pre­ta­ti­on des voll­ends geis­tes­ge­stör­ten Sozio­pa­then. Sowohl beim Joker, als auch bei ande­ren optisch auf­fäl­li­gen Figu­ren, hat das Make- Up-Team gan­ze Arbeit geleis­tet und konn­te in die­ser Kate­go­rie auch eine Oscar-Nominierung ein­heim­sen.

Auch Mar­got Rob­bie ist schau­spie­le­risch eine Berei­che­rung für den Film: Ihre Dar­stel­lung der bezau­bern­den Psy­cho­path­in, die zer­brech­lich wirkt aber gekonnt den Base­ball­schlä­ger schwingt, ist erfri­schend und unter­halt­sam. Außer­dem sorgt Har­ley mit ihren schrä­gen One­li­nern für die meis­ten Lacher. Der gesam­te Film ist hoch­ka­rä­tig besetzt; auch klei­ne­re Rol­len wer­den von eta­blier­ten Schau­spie­lern über­nom­men. Selbst die Rol­le des Kil­ler Croc, wird von Ade­wa­le Akinnuoye-Agbaje — der allen Lost-Fans bes­ser als Mr. Eko bekannt ist — gespielt. Vio­la Davis por­trä­tiert zudem die unbarm­her­zi­ge Regie­rungs­be­am­tin her­vor­ra­gend und stielt den ande­ren Böse­wich­ten mit ihrer Skru­pel­lo­sig­keit zeit­wei­len die Show.

Ein gro­ßer Teil des Films ist voll­ge­packt mit Action und die hat es in sich: Als die Bösewicht-Einheit los­zieht, um Ench­an­tress’ und Incu­bus’ Trei­ben ein Ende zu berei­ten, geht es ans Ein­ge­mach­te. Eine Action­sze­ne jagt die Ande­re und das ist optisch beein­dru­ckend. Regis­seur (und Dreh­buch­au­tor) David Ayer hat bereits mit Fil­men wie “Herz aus Stahl” und “Street Kings” gezeigt, dass er Action gekonnt insze­nie­ren kann. Auch in Sui­ci­de Squad schla­gen die Her­zen aller Action-Fans höher, wenn die Kampf­sze­nen, Schuss­wech­sel und Explo­sio­nen entfachen.

 

Das hät­te Sui­ci­de Squad bes­ser machen können

Ench­an­tress (oben links), Kil­ler Croc (oben rechts), Har­ley (unten links) und Dead­shot (unten rechts).
© 2017 War­ner Bros. Ent.

Die Vor­stel­lung der Cha­rak­te­re zu Beginn des Films ist gut insze­niert und humor­voll. Nach die­sem Ab- schnitt fehlt aller­dings jede wei­te­re Beschäf­ti­gung mit den Figu­ren: Anstatt wei­ter oder erneut auf die inter­es­san­ten und viel­sei­ti­gen Böse­wich­te einzu-gehen, wird der Plot voll­ends von der über­la­de­nen Action über­rollt. Die tur­bu­len­ten Sze­nen sind zwar bis zu einem gewis­sen Grad unter­halt­sam, jedoch genü­gen sie nicht, um den gesam­ten Film zu tra­gen. Der Film begibt sich auf eine rasan­te Jagd auf Schlä­ge­rei­en und Schie­ße­rei­en, bei der äußerst wenig Zeit und Platz für eine hand­fes­te Sto­ry oder Cha­rak­ter­ent­wick­lun­gen bleibt. Die­ser Teil des Films, bei dem es lei­der bis zum Ende hin bleibt, erin­nert eher an einen Mit­schnitt aus einem Fantasy-Shooter- Spiel. Die Action wird nur kurz für eine Sze­ne unter­bro­chen in der die Mit­glie­der des Teams in einer Bar zusam­men­sit­zen und sich über ihre ver­korks­ten Leben aus­tau­schen. Die­se Sze­ne gibt dem Zuschau­er kurz Hoff­nung, dass der Film doch eine ande­re Facet­te auf­zei­gen kann. Jedoch ist der Sil­ber­strei­fen schnell ver­flo­gen, denn dann geht es wie­der zurück an die Waf­fen und die wil­de Fahrt geht weiter.

Sui­ci­de Squad hat im Vor­we­ge, vor allem mit Jared Leto als Joker, viel Wer­bung gemacht. Der Film ent­hält aber nur gerin­ge Sze­nen in denen der Joker tat­säch­lich auf­taucht. Leto spielt einen recht über­zeich­ne­ten, aber über­zeu­gend psy­cho­pa­thi­schen Joker, den die Zuschau­er sehr wahr­schein­lich mit Vor­lie­be öfter gese­hen hät­ten. Regis­seur David Ayer hat sich im Nach­hin­ein auch zu die­sem The­ma geäu­ßert: Er twit­ter­te, dass er es bereue den Joker nicht als einen der Haupt­cha­rak­te­re ein­ge­bun­den zu haben. 

Eine tra­gen­de­re Rol­le des Jokers hät­te dem Film wohl einen ande­ren Schliff ver­passt und die Action even­tu­ell, zumin­dest teil­wei­se, durch thril­ler­ar­ti­ge Span­nung ersetzt. Hät­te Ayer ins­ge­samt mehr auf sei­ne Haupt­fi­gu­ren gesetzt, hät­te Sui­ci­de Squad gewiss an Sub­stanz gewon­nen. Die action­ge­la­de­nen Sze­nen las­sen ledig­lich klei­ne Ein­spreng­sel von Emo­tio­nen zu, bei denen dem Zuschau­er ver­mit­telt wird, dass die Super­schur­ken im Grun­de genom­men einen guten Kern haben — das wirkt jedoch nur kit­schig aber kei­nes­wegs tiefgründig.

Die fan­tas­ti­sche Arbeit, die das Make-Up-Team geleis­tet hat, konn­ten die Kol­le­gen von der Com­pu­ter­ani­ma­ti­on nicht auf­brin­gen. Ench­an­tress, die an Macht zunimmt und eine men­schen­aus­lö­schen­de Waf­fe gene­riert und kon­trol­liert, ist unter­ir­disch ani­miert. Bei einem Bud­get von 175 Mil­lio­nen US-Dollar, soll­te man erwar­ten kön­nen, dass der End­geg­ner nicht mit einem Spe­cial Effect aus einem 80er Jah­re Low-Budget-Film ver­wech­selt wer­den könnte.

Fazit

Sui­ci­de Squad ist ein Film, der es lei­der ver­passt hat sein vol­les Poten­zi­al aus­zu­schöp­fen. Die Sto­ry hät­te sich auf die apar­ten Cha­rak­te­re kon­zen­trie­ren sol­len, anstatt einen Schuss­wech­sel an den Nächs­ten zu rei­hen. Trotz­dem ist der Film aus­rei­chend unter­hal­tend, wenn die Erwar­tung­hal­tung nicht all­zu hoch ist. 

Es sind eine Fort­set­zung, sowie Spin-Offs geplant, wel­che hof­fent­lich die zahl­rei­chen Mög­lich­kei­ten ein­be­zie­hen, die ihre Figu­ren ihnen zur Ver­fü­gung stel­len — ohne sie auf Schur­ken mit Herz, die den wirk­li­chen üblen Schur­ken den Gar­aus machen, zu reduzieren.

 

 

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Ein Kommentar

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