Seri­en­tipp: Ame­ri­can Crime Sto­ry

Ame­ri­can Crime Sto­ry ist eine Antho­lo­gie­se­rie, die sich mit Kri­mi­nal­fäl­len befasst. Die ers­te Staf­fel trägt den Unter­ti­tel The Peop­le v. O.J. Simp­son und zeigt den kon­tro­ver­sen Mord­pro­zess der ehe­ma­li­gen Football-Ikone. Seit dem 6. Janu­ar 2017 ist die deutsch­spra­chi­ge Erst­aus­strah­lung auf Sky Atlan­tic zu sehen.

The Peop­le v. O.J. Simp­son: Ame­ri­can Crime Sto­ry läuft der­zeit frei­tags, 21.00 Uhr auf Sky Atlan­tic HD noch in der Erst­aus­strah­lung. Am 10.3. gibt es die letz­te Epi­so­de. Ab 20.3. folgt von mon­tags bis frei­tags, 19.00 Uhr, die Wie­der­ho­lung auf Sky Atlan­tic HD. Dar­über hin­aus steht die Serie auch auf Sky On Demand, Sky Go und Sky Ticket auf Abruf bereit.

Ein Mord­pro­zess der viel Auf­se­hen erreg­te und bis heu­te mehr als umstrit­ten ist.
Moti­on Pic­tu­re © 2016 Twen­tieth Cen­tu­ry Fox Film Cor­po­ra­ti­on and Blue­bush Pro­duc­tions, LLC. All rights reserved./ Sky

Oren­thal James Simp­son war in den 1970er und 1980er Jah­ren ein berühm­ter und all­seits ver­ehr­ter Football-Star, der außer­dem auch in Fil­men wie “Flam­men­des Infer­no” oder “Roots” auf­trat. Von 1985 bis 1992 war mit Nico­le Brown ver­hei­ra­tet. Wäh­rend ihrer Ehe kam es immer wie­der zu Fäl­len der häus­li­chen Gewalt, für die Simp­son jedoch nicht belangt wur­de. Ins­ge­samt neun Mal wur­de die Poli­zei wegen sol­cher Vor­fäl­le zum Hau­se Simp­son geru­fen. Die ein­zi­ge Stra­fe, die ihm je wider­fuhr, war eine gericht­lich ange­ord­ne­te psy­cho­lo­gi­sche Betreu­ung.

1992 reich­te Nico­le Brown die Schei­dung ein — jedoch hör­ten die gewalt­tä­ti­gen Über­grif­fe Simp­sons nicht auf. Noch im sel­ben Jahr brach Simp­son in Nico­les Haus ein und droh­te ihr, wor­auf­hin sie die Poli­zei alar­mier­te. Am 12. Juni 1994 wur­den Nico­le Brown und ihr Bekann­ter Ronald Gold­man tot vor Nico­les Haus in Brent­wood, Los Ange­les, auf­ge­fun­den. Die Opfer wur­den durch jeweils meh­re­re Mes­ser­sti­che getö­tet.

Moti­on Pic­tu­re © 2016 Twen­tieth Cen­tu­ry Fox Film Cor­po­ra­ti­on and Blue­bush Pro­duc­tions, LLC. All rights reserved./ Sky

Auf­grund­des­sen dass Simp­son kein Ali­bi hat­te und sei­ne gewal­tä­ti­ge Ader sei­ner Ex-Frau gegen­über bekannt war, galt er schnell als Tat­ver­däch­ti­ger. Die Indi­zi­en zeig­ten schon bald alle in O.J. Simp­sons Rich­tung und am 17.Juni 1994 wur­de ein Haft­be­fehl gegen ihn wegen zwei­fa­chen Mord­ver­dach­tes erlas­sen. Und dar­auf­hin floh O.J. Simp­son in einem wei­ßen Ford Bron­co SUV und die berüch­tig­te Ver­fol­gungs­jagd begann, wel­che vie­len noch im Gedächt­nis sein dürf­te. Die Ver­fol­gungs­jagd ging in die Geschich­te ein, da sie die ers­te war, die jemals Live im Fern­se­hen über­tra­gen wur­de. Nach einer ein­ein­halb­stün­di­gen Hetz­jagd, gab Simp­son schließ­lich auf und ließ sich fest­neh­men. Und dann begann ein Pro­zess, der eben­falls unver­ges­sen bleibt…

 

Der Pro­zess des Jahr­hun­derts’

O.J. Simp­son (Cuba Goo­ding Jr. “Sel­ma”) wur­de wegen zwei­fa­chen vor­sätz­li­chen Mor­des ange­klagt. Er bekann­te sich in allen Angla­ge­punk­ten ’nicht schul­dig’. Er enga­gier­te eine gan­ze Arma­da von Ver­tei­di­gern, die das Unmög­li­che mög­lich machen soll­ten. Zu Simp­sons so genann­tem ‘Dream­team’ gehör­ten unter anderm sein guter Freund und Anwalt Robert Kar­da­shi­an (David Schwim­mer “The Ice­man”), die renom­mier­ten Anwäl­te Robert Shapi­ro (John Tra­vol­ta “Kil­ling Sea­son”) und F. Lee Bai­ley (Nathan Lane “Good Wife”) und als Haupt­ver­tei­di­ger fun­gier­te John­nie Coch­ran, der bereits vie­le afro-amerikanische Ange­klag­te erfolg­reich ver­tre­ten hat­te.

The Peop­le v. O.J. Simp­son zeigt die Kurio­si­tät die­ses Fal­les mit gelun­ge­ner Fines­se. Es bestan­den kei­ne Zwei­fel an der Schuld des ehe­ma­li­gen Foot­ball­spie­lers. Doch Staats­an­wäl­tin Mar­cia Clark (Sarah Paul­son “12 Years a Slave”) hät­te sich nicht auf die Indi­zi­en und Bewei­se ver­las­sen dür­fen, denn die Ver­tei­di­gung ver­wan­delt den Gerichts­saal in eine Büh­ne und schreckt vor kei­nem Mit­tel zurück, um Simp­son zu ent­las­ten. Viel­mehr legt die Ver­tei­di­gung es dar­auf an vom eigent­li­chen Fall abzu­len­ken: Da die Beweis- und Indi­zi­en­la­ge gegen ihren Man­dan­ten erdrü­ckend war, ver­folg­te die Ver­tei­di­gung die Stra­te­gie alles was die Staats­an­walt­schaft vor­brach­te, mit Inbrunst anzu­zwei­feln. Außer­dem stell­te Coch­ran einen der Ermitt­ler in die­sem Fall als Ras­sis­ten bloß, was er gekonnt aus­spiel­te und das Urteil der, vor­wie­gend schwar­zen, Jury mas­siv beein­fluß­te.

Mar­cia Clark (Sarah Paul­son) und ihr Kol­le­ge Chris­to­pher Darden (Ster­ling K. Brown).
Moti­on Pic­tu­re © 2016 Twen­tieth Cen­tu­ry Fox Film Cor­po­ra­ti­on and Blue­bush Pro­duc­tions, LLC. All rights reserved./ Sky

Die­ser ‘Pro­zess des Jahr­hun­derts’ wur­de im Fern­se­hen über­tra­gen, was den Druck für die Staats­an­walt­schaft enorm erhöh­te und der Ver­tei­di­gung mit ihrem pro­mi­nen­ten Man­da­ten einen Vor­teil ver­schaff­te. The Peop­le v. O.J. Simp­son insze­niert all die­se Absur­di­tä­ten meis­ter­haft und pran­gert Sen­sa­ti­ons­lust, das ame­ri­ka­ni­sche Jus­tiz­sys­tem, Ras­sis­mus und Sexis­mus auf ver­schie­de­nen Ebe­nen an. Coch­ran nutzt die herr­schen­de Erzür­nung über den Rod­ney King-Fall, um im Rah­men des Simpson-Verfahrens den insti­tu­tio­na­li­sier­ten Ras­sis­mus in den USA zu stig­ma­ti­sie­ren. Der Zuschau­er ist über wei­te Tei­le eben­so zwie­ge­spal­ten wie die Jury: Die Auf­de­ckung, dass ein am Fall betei­lig­ter Poli­zist ein radi­ka­ler Ras­sist ist, wirft einen Schat­ten des Zwei­fels auf die Beweis­mit­tel­si­che­rung. Aller­dings ent­las­tet es den Ange­klag­ten in kei­ner Wei­se, da der Poli­zist trotz sei­ner per­fi­den Ein­stel­lung, Simp­son kaum belas­tet haben kann.

Die Serie wird größ­ten­teils aus der Sicht von Mar­cia Clark dar­ge­stellt. Sie ist allein­er­zie­hen­de Mut­ter und damit beauf­tragt eine Ver­ur­tei­lung Simp­sons zu errei­chen. Der Medi­en­rum­mel um den Pro­zess macht vor allem Mar­cia zu schaf­fen: Die Pres­se läßt kei­ne Gele­gen­heit aus sie zu kri­ti­sie­ren — sie sei zu sto­isch, unsym­pa­thisch, ihr Klei­dungs­stil ist nicht weib­lich genug und ihre Fri­sur eine Kata­stro­phe. Die täg­li­chen Schlag­zei­len der Klatsch­pres­se gehen ihr sicht­lich nahe und set­zen sie zunehmd unter Druck.

Eine wei­te­re Sicht­wei­se zu der die Serie greift ist die von Robert Kar­da­shi­an. Er ist Simp­sons erge­be­ner Freund und Weg­ge­fähr­te. Er ist sich der Unschuld sei­nes Freun­des sicher. Doch im Lau­fe der Zeit flam­men auch in ihm Zwei­fel auf.

 

Fazit

The Peop­le v. O.J. Simp­son ist eine fas­zi­nie­ren­de Serie, die es schafft einen der berüch­tigs­ten Mord­pro­zes­se des 20. Jahr­hun­derts aus ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven zu beleuch­ten. Die Kri­tik am US-amreikanischen Jus­tiz­sys­tems ist durch die Tat­sa­chen gege­ben. Die Pres­se mach­te einen Mord­pro­zess zu einer Reality-TV-Show, bei der nur die als Sie­ger her­vor­ge­hen, die das bri­san­te­re Schau­spiel auf­füh­ren.

Cuba Goo­ding Jr. spielt sich als cho­le­ri­scher Simp­son die See­le aus dem Leib. Sei­ne Per­for­mance ist, nicht zuletzt auf­grund der Viel­sei­tig­keit der Serie, sehr facet­ten­reich. In der Ori­gi­nal­fas­sung kann der Zuschau­er deut­lich hören, dass Goo­ding Jr. sei­ne Stimm­far­be derer von O.J. Simp­son anpasst und ihr extrem nahe kommt. Beson­ders her­aus­ra­gend ist die Leis­tung von Sarah Paul­son in der Rol­le der Mar­cia Clark. Sie spielt die Mut­ter und Staats­an­wäl­tin, die der sexis­ti­schen Medi­en­kri­tik aus­ge­setzt ist mit viel Gefühl und Über­zeu­gungs­kraft. Clark ist nicht nur der Sympathie-Träger, son­dern auch der Dreh- und Angel­punkt der Serie. Auch David Schwim­mer — den allen “Friends”-Fans als Ross bes­ser bekannt ist — por­trä­tiert den Vater der spä­te­ren It-Girls, der ein anhal­ten­des Wech­sel­bad der Gefüh­le durch­lebt, ein­drucks­voll.

The Peop­le v. O.J. Simp­son ist eine äußerst gut insze­nier­te Serie, mit fan­tas­ti­schen Schau­spie­lern, die es bewerk­stel­ligt ner­ven­zer­rei­ßend span­nend zu sein, obwohl der Aus­gang des Pro­zes­ses jedem bekannt sein dürf­te.

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